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Regionale Lebensmittel: „Ein Gefühl von Heimat“

Regionalität ist in aller Munde. Die Herkunft von Lebensmitteln spielt bei Verbrauchern eine immer wichtigere Rolle. Erzeuger und Handel haben sich längst auf den Trend eingestellt. Doch was verstehen Verbraucher eigentlich unter ‚regionalen‘ Lebensmitteln? Und worin liegen die Vorteile für Konsumenten und Erzeuger?
Regionale Lebensmittel: „Ein Gefühl von Heimat“

Regionale Lebensmitteln spielen bei Verbrauchern eine immer wichtigere Rolle. (Foto: panthermedia.net)

Es lässt sich sowohl in Supermärkten als auch auf dem traditionellen Wochenmarkt beobachten – immer mehr Verbraucher schauen bei der Auswahl ihrer Lebensmittel genauer hin. Trotz, oder gerade wegen des globalisierten Lebensmittelangebots spielt neben Preis und Augenschein der Ware die regionale Herkunft eine zunehmend wichtige Rolle.

Handel und Produzenten haben sich längst auf den deutschlandweiten Trend eingestellt. In Süddeutschland sei die Vielfalt regional erzeugter Lebensmittel traditionell größer als im Norden, sagt Dietrich Holler, Journalist und Kommunikationsberater bei ‚vox viridis‘ („Grüne Stimme“). Zugleich sitze dort eine hohe Kaufkraft. „Beide Aspekte kommen der Vermarktung regionaler Produkte entgegen.“

Doch was sind die Wurzeln dieses Trends? Als Ursachen zählen der Agrarökonom Prof. Dr. Marcus Mergenthaler und die Wirtschaftsgeographin Dr. Luisa Vogt der Fachhochschule Südwestfalen eine wachsende Verunsicherung der Verbraucher, eine zunehmende Skepsis gegenüber der Globalisierung der Märkte und eine Anonymisierung bei der Herstellung von Lebensmitteln auf. Regionale Lebensmittel würden von den Verbrauchern aber nicht nur aufgrund einer angenommenen höheren Lebensmittelsicherheit oder vermeintlich kürzerer Transportwege geschätzt, sondern auch, weil sie sich mit ihrer Region identifizierten: „Regionale Produkte vermitteln ein Gefühl von Heimat und Sicherheit.“ Das Thema ‚Regionalität‘ ist seitens der Verbraucher emotional aufgeladen. „Beim Lebensmitteleinkauf ist viel Gefühl im Spiel“, bestätigt auch Holler. „Frische Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Obst stehen stärker im Fokus.“

Was sind ‚regionale Lebensmittel‘?

Ein Ende des Trends scheint nicht absehbar: „Als Gegenbewegung zur Globalisierung wird Heimat und Nähe ein Thema bleiben“, so Mergenthaler. Der Trend zur ‚Regionalität‘ gehe von der nur teilweise begründbaren Annahme aus, dass das Nahe auch das Bessere sei. Doch was verstehen Verbraucher eigentlich unter regionaler Nähe? „Hier ist die Bandbreite an Assoziationen groß“, stellt Vogt fest. Sie reichten von einer Entanonymisierung langer Lieferketten, von Anschaulichkeit und Vertrauenswürdigkeit bis hin zu mutmaßlich höherer Frische. Teilweise würden regionale Erzeugnisse primär auch als Spezialitäten verstanden und seien mit einer bestimmten Handwerkskunst oder Besonderheiten des Naturraums verknüpft: „Man denke beispielsweise an die Nürnberger Rostbratwurst oder an den Schrobenhausener Spargel.“ Ein großes Problem bei der regionalen Vermarktung, gibt Mergenthaler zu bedenken, sei das Fehlen einer belastbaren Definition des Begriffs und der Kontrolle dessen, was dann als ‚regional‘ bezeichnet werde. „Hier gibt es einen klaren Unterschied zwischen der Regionalkennzeichnung und der Kennzeichnung von Bio-Produkten. Regionalität kann ganz unterschiedlich definiert werden.“ Daher kann das sogenannte ‚Regionalfenster‘ auf Bundesebene ein politischer Hebel zur Förderung regionaler Vermarktungsstrukturen sein. „Die Initiative zu dieser einheitlichen Kennzeichnung von Lebensmitteln ist zu begrüßen, weil dadurch eine höhere Transparenz im Markt geschaffen wird.“

Vermarktung regionaler Lebensmittel: mehr Selbstbestimmtheit

Die Vorteile einer Vermarktung ‚regionaler Produkte‘ für die Erzeuger lägen in einem Zugewinn an Selbstbestimmtheit und in einer größeren Unabhängigkeit von Weltmarktpreisen, so Vogt. „Sie können mit einer höheren Zahlungsbereitschaft seitens der Verbraucher rechnen.“ Diese hänge dabei auch von der Einkaufsstätte ab: „Für regionales Gemüse im Supermarkt sind Verbraucher in der Regel nicht bereit, (wesentlich) mehr zu zahlen. Auf einem Bauernmarkt zahlen sie dagegen oft gerne mehr.“ Der persönliche Kontakt zwischen Landwirt und Kunde schaffe Vertrauen, das gesamte Einkaufserlebnis erzeuge ein Gefühl von Authentizität. „Neben den höheren Erlösen müssen allerdings auch die höheren Kosten berücksichtigt werden. In der Regionalvermarktung ist es viel schwieriger, Skaleneffekte zu nutzen“, sagt Vogt. Für kleine und mittlere Hersteller liege in der Produktion ‚regionaler‘ Erzeugnisse auch die Chance, gegen die mit großen Etats beworbenen Produkte der Konzerne anzutreten, fügt Holler an. Fakt sei aber auch: „Ein Großteil der Landwirtschaft hierzulande erzeugt austauschbare Rohware und kann nicht unmittelbar von dem ‚Absender Regionalität‘ profitieren.“

Neben den Erzeugern gewinnen auch die Regionen, in denen eine höhere Wertschöpfung erzielt wird. Die Einkommens- und Arbeitsplatzeffekte vor Ort fielen höher aus, wenn es gelinge, auch längere regionale Wertschöpfungsketten neu zu schaffen, betont Vogt.


Ansprechpartner:
Matthias Dieler
Referent Kommunikation
Redaktion ,netzwerk‘
Telefon: 069 6978-3220
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